Kulturschule

Kulturschule 2019-11-12T13:39:39+01:00

„Kultur ist ein wunderbarer Schlüssel zur Integration. Mit dem ‚KulturKarussell‘ möchten wir jedes Kind seine persönliche Kulturbiografie gestalten und seine Begabungen erfahren lassen.“

Kulturschule: von der Idee zum Profil

Seit Gründung unserer Schule 1990 hat Kulturelle Bildung einen hohen Stellenwert. Mit Ernennung zur Kulturschule durch das MfSW im Jahr 2013 haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, dieses kulturelle Profil weiter zu schärfen und ein besonderes Konzept entwickelt: das KulturKarussell.

Mit dieser Konzeption verbinden wir das Ziel, ausnahmslos jedem Schüler und jeder Schülerin Voraussetzungen für die Entwicklung einer individuellen kulturellen Bildungsbiographie zu eröffnen.

Die Konzeptentwicklung wurde in den Anfängen von zwei Schulentwicklungsbegleite-rinnen des Bildungsbüros betreut, danach selbstständig von den Mitgliedern eines schulinternen Arbeitskreises bis heute fortgeführt. Nach einigen inhaltlichen Korrekturen aufgrund externer Vorgaben, stellt sich heute das Modell so dar:

Jedes Angebot im Rahmen des KulturKarussells muss einem der Bereiche Musik, Bildende Kunst, Tanz, Circensische Kunst, Theater oder Sprache & Medien zuzuordnen sein. Jeder Schüler bzw. jede Schülerin wählt im Laufe der Jahrgänge 5-7 aus mindestens drei Bereichen ein Angebot („3 aus 6 in 3 Jahren“). Ab Jahrgang 8 sollen die Schüler frei aus einem dieser sechs Inhaltsfelder wählen. So durchlaufen sie die Phasen Orientierung, Spezialisierung, Professionalisierung.

Die Kurse des KulturKarussells finden außerunterrichtlich, geleitet von Künstlern statt. Auch werden diese Angebote um jahrgangsübergreifende Workshops (Tages- und Wochenendveranstaltungen) ergänzt. Zugerechnet werden ebenso privat finanzierte Kurse der Musikschule, die als „Schnupperkurse“ in unserer Schule stattfinden. Häuslicher Musikunterricht bzw. Vereinsmitgliedschaften werden ebenfalls anerkannt, sofern sie den genannten Bereichen zuzuordnen sind.

Die Kulturarbeit wird durch einen Schulkonferenzbeschluss besonders gestützt: Für jeden Schüler ist der Nachweis von mindestens 30 Stunden im Rahmen des KulturKarussells pro Schuljahr verplichtend. Es gibt einen individualisierten Kulturpass geben, der die Teilnahme an den Kursen dokumentiert. Für alle Schüler und Schülerinnen findet jeweils zum Ende eines Schulhalbjahres eine Präsentation in der Schulöffentlichkeit statt. Dort soll Raum für die Darstellung kultureller Arbeit aus den Kursen der schulischen und privaten Bereiche sein

Wirkung: Kultur wird selbstverständlich für Kinder, Eltern und Kollegium

Das „KulturKarussell“ unterstützt in besonderer Weise unsere zentralen Ziele von Integration und Individualisierung: Kinder und Jugendliche wählen außerunterrichtlich aus Angeboten, die ihren besonderen Neigungen und Begabungen entsprechen, die auch Schülern mit Migrationshintergrund und/oder bildungsfernen Schichten die Teilhabe an kultureller Bildung ermöglichen. Ihr Interesse, sich bei unseren Kulturveranstaltungen (z. B. Karnevalssitzung, Sommerbrandung) aktiv zu beteiligen, das Wahlpflichtfach Darstellen & Gestalten oder musische Angebote im AG-Bereich zu wählen, ist mittlerweile fest verankert und wächst stetig.

Spuren kultureller Arbeit manifestieren sich an zahlreichen Stellen im Schulgebäude, in Veröffentlichungen, bei Veranstaltungen.

Die Rückmeldung der Eltern auf einer Schulpflegschaftssitzung hat klar gemacht, dass das Kulturkonzept unserer Schule von ihnen ausdrücklich gewünscht und unterstützt wird.

Die Rückmeldung der Künstler und Künstlerinnen bei einer Kartenabfrage war durchgängig positiv, wenngleich sich viele noch kleinere Gruppengrößen wünschen. Die Betreuung, der Informationsfluss und vor allem die Arbeit mit den Kindern haben sie positiv bewertet.

Viele werden weiterhin – auch unter veränderten Vertragsbedingungen – Kurse für unsere Schüler und Schülerinnen anbieten.

Die Vernetzung der KulturKarussell-Angebote mit Einrichtungen im Sozialraum ist dichter geworden und hat weitere Institutionen wie beispielsweise die Private Schauspielschule Aachen und das Jugendzentrum Mobile angeregt, mit uns zu kooperieren.

Erfahrungen: was hindert, was hilft?

„Stolpersteine“ gibt es zahlreiche auf dem Weg zur erfolgreichen Kulturschule, aber auch vor „Wanderdünen“, die einen zu verschlucken drohen, ist man nicht sicher:

• Die Kooperation mit zahlreichen Institutionen erfordert viel Zeit für Absprachen. Verantwortliche in Jugendeinrichtungen, Schauspielschulen, Tanzschulen usw. haben einen anderen Arbeitsrhythmus, häufig auch andere Zielsetzungen oder Vorstellungen von schulischen Möglichkeiten und Notwendigkeiten.

• Die Finanzierung durch offiziell aufgelegte Programme (z.B. „Kultur macht stark“) bedeutet große Abhängigkeit und kann zu weitreichenden Veränderungen zwingen, wenn im lfd. Schuljahr Vergabevoraussetzungen verändert werden oder Kooperations-partner wegen des hohen Verwaltungsaufwands die Zusammenarbeit nicht verlängern (können). Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein anspruchsvolles Kulturkonzept an einer Schule nur dann realisiert werden kann, wenn ein solides, verbindliches Finanzierungskonzept vorliegt.

• Die Umsetzung einzelner Konzeptbausteine kann auch daran scheitern, dass sich keine Künstler oder Künstlerinnen finden lassen, die ein passendes Angebot machen können.• Viele parallel stattfindende Kurse sind selbst in der unterrichtsfreien Zeit ein logistisches Problem, da sie in Turnhallen, großen Räumen für Tanz- und Theaterübungen, in Kunst- oder anderen Fachräumen stattfinden. Nur durch Kooperation mit benachbarten Einrichtungen (Grundschule, Jugendzentrum, Pfarrgemeinderäumen) und Improvisationstalent lässt sich diese Herausforderung meistern.

Trotz dieser Herausforderungen lohnt es sich am Ball zu bleiben, weil:

• die Schüler/innen ihre Arbeitsergebnisse bzw. sich mit Stolz und Selbstbewusstsein präsentieren,

• die Schüler/innen in den Kursen Erfahrungen machen können, die ihre individuellen kreativen Potenziale entwickeln,

• die Schüler/innen Schlüsselkompetenzen (z. B. Teamfähigkeit, Improvisationstalent, Zuverlässigkeit) trainieren, die sie auch in andere Situationen einbringen können

• die Einheit von kognitivem, emotionalem und kreativem Lernen die Schüler/innen in ihrer persönlichen Entwicklung bereichert,

• weil Kulturarbeit die Identifikation mit der Schule (z. B. durch die Übernahme von Gestaltung des Schulraumes, der Feste, des Schulalltags) verstärkt,

• weil unsere zentralen schulprogrammatischen Ziele „Integration“ und „Individualisierung“ so auch im Außerunterrichtlichen gestützt werden. Geebnet wird der Weg zur Kulturschule durch die Unterstützung des Netzwerks bzw. des Bildungsbüros der StädteRegion Aachen. Konkret hilft der organisierte Austausch mit anderen Kulturschulen der Region, die Möglichkeit zum Besuch von Fortbildungsveranstaltungen, die Vermittlung von Künstlerkontakten oder von Hospitationen in erfolgreich arbeitenden Kulturschulen. Ebenfalls gewinnbringend sind die Hinweise auf Finanzierungsprogramme sowie die regelmäßigen Treffen zur Evaluation des schulinternen Kulturprofils.

Allen Nachfolgern können wir als Tipps mitgeben:

• Partizipation: Die Schulgemeinde muss ein Kulturkonzept wollen! An der Konzeptentwicklung muss die „Basis“ beteiligt werden! Die ganze Schulgemeinde sollte fort-während über den Stand der Planung informiert sein!

• Konzept: Jedes Kulturkonzept muss maßgeschneidert werden! Dabei gleich Evaluationsverfahren mitplanen!

• Finanzierung: Vor dem Start der ersten Kulturangebote muss die Finanzierung geklärt sein!• Kommunikation: Der Austausch mit Schulen, die sich in einem ähnlichen Entwicklungsprozess befinden oder schon abgeschlossen haben, lohnt sich.